Linsey Vonn (USA) kurz vor dem Ziel

Was fürs Auge

Ski alpin Vor dem Weltcup in Ofterschwang genießen Rennläuferinnen aus aller Welt die Atmosphäre beim Training am Oberjoch – Zahlreiche Zaungäste staunen nicht schlecht

Oberjoch/Ofterschwang Die Soldaten der britischen Armee, die gestern in Oberjoch einen Skitag einlegten, konnten sich gar nicht sattsehen. Lange verweilten die skitouristen am Rand der steilen Piste am Alpinen Trainingszentrum Allgäu und rieben sich beim Blick auf die Piste verwundert die Augen: So viel Eleganz und Rasanz auf Skiern hatten sie noch nie gesehen. Rennläuferinnen aus acht Nationen holten sich am Iseler den Feinschliff für die Weltcuprennen am Samstag (10.30 Uhr Riesenslalom) und Sonntag (10.30 Uhr Slalom) im 20 Kilometer entfernten Ofterschwang.

Top-Fahrerinnen wie Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg, die im Vorjahr den Riesenslalom in Ofterschwang gewonnen hatte, waren darunter. „Ich habe die positivsten Erinnerungen an letztes Jahr. Das war ein absolutes Traum-Wochenende für mich. Es war ja auch Anfang März und es waren zwei wahnsinnig schöne Tage. Natürlich ist es schwierig, so was zu toppen“, freut sich die 23-jährige Olympiasiegerin vom SC Kreuth auf Samstag. Gestern genossen die Ski-Asse die frühlingshaften Bedingungen am ATA mit fast zehn Grad über null. Allseits gelobt wurden die Bedingungen an der „Weltcup-Außenstelle“, wie das Oberjoch schon mal scherzhaft genannt wird. Auf dem Ofterschwanger Hang darf vor dem Rennen nicht gefahren werden. „Es ist schon lässig hier. Für mich fühlt es sich an wie die Vorbereitung auf ein Heimrennen“, erzählte die Österreicherin Stefanie Köhle. Die 26-Jährige aus Landeck wird von einem eigenen Fanklub begleitet. „So nah wie Ofterschwang liegt kein Rennort an meiner Heimat“, erklärte sie. Gestern Vormittag absolvierten Köhle und ihre Teamkolleginnen ein gemeinsames Training mit den USAmerikanerinnen. Für manchen Zuschauer wirkte es ungewöhnlich, dass die Rivalinnen kurz vor dem Wettbewerb ausgelassen im Sessellift miteinander quatschten und einen gemeinsam gesetzten Kurs bewältigten. „Im Fußball trainieren manche Klubs schon heimlich. Hier kann man ganz nah ran. Alle gehen normal miteinander um. Die Lockerheit ist schon toll“, hörte man aus dem Kreis der Zaungäste. Auch ATA-Leiter Florian Beck und Mitarbeiter Peter Endraß wissen diese Atmosphäre im Vergleich zu anderen Sportarten zu schätzen. „Wir sind eine große Ski-Familie. Das sieht man auch daran, dass Fahrerinnen von vielen Nationen hier gleichzeitig trainieren“, er klärt der 75-jährige Endraß. „Das ATA wird von allen Fahrerinnen über den Schellenkönig gelobt“, erzählt er stolz. Seiner Meinung nach könnte am Iseler sogar ein Weltcup („egal ob Männer oder Frauen“) stattfinden, wenn der DSV sich dazu durchringen könnte. Daumendrücken für Tina Geiger aus Oberstdorf Doch das ist Zukunftsmusik. Am Wochenende drücken Endraß und Co. vor allem der einzigen Allgäuer Starterin die Daumen: Tina Geiger, 23, aus Oberstdorf will nach einer durchwachsenen Saison im Slalom vorne mitfahren. Heute wird sie sich am ATA noch einmal Schwung holen. „Es gibt immer etwas zu tun. Ich persönlich will in den letzten Fahrten an meiner Risikobereitschaft arbeiten“, kündigt sie an. Im Vorjahr wurde Geiger ausgerechnet beim Heimrennen nur 16. Diesmal soll mehr herausspringen.

Viktoria Rebensburg (DSV)
Viktoria Rebensburg (DSV)