In Ofterschwang ist Sicherheit Trumpf
Als erster Weltcup-Ort weltweit rüsten die Organisatoren im Allgäu ihre 150 Pistenhelfer mit Helmen aus
„Oben ohne“ ist mega-out. Erst recht auf der Ski-Piste. Nach den zahlreichen tragischen Ski-Unfällen der vergangenen Monate widmen sich am kommenden Wochenende auch die Organisatoren des alpinen Ski-Weltcups in Ofterschwang/Allgäu voll dem Thema „Sicherheit auf der Piste“. Als erster Weltcup-Veranstalter weltweit rüsten die Organisatoren im Allgäu ihre 150 Helfer, die direkt an der Piste arbeiten, mit Helmen aus.
„Der Skisport hat durch die vielen Pistenunfälle bedauerlicherweise für Negativ-Schlagzeilen gesorgt“, sagt Michael Fäßler, Hotelier des bekannten Sonnenalp Ressorts und gleichzeitig Präsident des Organisationskomitees von Ofterschwang. Nun sei es an der Zeit, der Öffentlichkeit wieder die schönen Seiten des Wintersports zu zeigen. Der Appell an ein vernünftiges Verhalten auf der Piste gehöre da genauso dazu wie die richtige Ausrüstung. „Mit einem Helm auf dem Kopf sinkt die Gefahr von schweren Verletzungen rapide“, weiß Fäßler. „Wir wollen mit unserer Aktion ein positives Signal senden“, sagt der OK-Chef und freut sich, dass er mit Ex-Rennläuferin und ZDF-Skiexpertin Petra Haltmayr aus Rettenberg eine prominente Botschafterin dieser Kampagne gefunden hat.
„So ein Weltcup ist der ideale Anlass, das Thema Sicherheit im Skisport zu transportieren“, sagt die 33-Jährige, die im vergangenen Jahr ihre aktive Karriere beendet hatte. Bei den Ski-Assen, so Haltmayr, gebe es zwar schon lange die Helmpflicht, aber nun auch die Helfer neben der Strecke damit auszustatten, sei eine tolle, richtige und wichtige Geste.“
Sprach’s und lässt sich von Weltcup-Pistenchef Peter Pöppel den Ofterschwanger Weltcup-Helm aufsetzen. Sogar Pöppel, den sie im Allgäu nur Pisten-Popeye nennen, ist beim Thema Helm weich geworden. Auch er unterstützt die Aktion und geht – nachdem er sich jahrelang geweigert hatte – am Wochenende nur mit der Hartschale auf dem Kopf auf die Strecke. „Auch wenn ich lange anderer Meinung war, aber wir können hier eine Vorbild-Funktion wahrnehmen. Deshalb bin ich voll dabei“, so Pöppel.
Presseinformation vom 4. März 2009
FIS-Renndirektor Atle Skaardal aus Norwegen lobt die Initiative: „Die Ofterschwanger haben in den letzten Jahren immer hervorragende Weltcups organisiert. Dass sie mit dieser Aktion nun auch neben der Piste die Qualität steigern, ist bemerkenswert und gut.“ Weltweit, bestätigt Skaardal, gebe es keinen Veranstalter, der das Thema Sicherheit bislang so aktiv aufgegriffen habe.
Auch auf anderem Gebiet haben sich die Veranstalter aus dem Allgäu intensiv Gedanken gemacht. Der ärztliche Einsatzleiter Dr. Peter Kruijer jedenfalls geht mit seinem Team gut vorbereitet ins Weltcup-Wochenende. Zwar sei gerade Ofterschwang bislang von schweren Stürzen verschont geblieben, doch für den Fall der Fälle habe man nun detaillierte Einsatzpläne entworfen und die entsprechenden Szenarien auch geübt. Der verheerende Sturz des Österreichers Matthias Lanzinger vergangene Saison im norwegischen Kvitfjell habe gezeigt, wie wichtig schnelles und richtiges Handeln im Notfall sei. Dr. Kruijer: „Wir hoffen alle, dass so ein Unglück nie wieder passiert.“ Dennoch sei das Rettungsteam, bestehend aus sechs Ärzten, 20 Sanitätern und zwölf Bergwacht-Mitarbeitern gewappnet: derart aufgestellt könne man auf der kompletten, 1245 Meter langen Strecke für den Fall eines Sturzes sofort eingreifen , die Hilfskräfte stehen jeweils auf Sichtweite entfernt.
Auch um das Wohl der erwarteten 10 000 Ski-Fans ist Dr. Kruijer zusammen mit dem Bayerischen Roten Kreuz besorgt: Für große und kleine Wehwehchen ist eigens ein Medical Center – und daran angekoppelt sogar ein Kinderhort – im Zuschauer-Bereich eingerichtet worden. Trotz des Großaufgebots sagt Kruijer: „Am liebsten wäre es mir freilich, wenn wir alle arbeitslos blieben.“
Fotomaterial zum Download finden Sie im Medienbereich unserer Homepage
|